Das 6. Hermetische Gesetz: Ursache und Wirkung. Warum das Leben seine Geschichten viel früher schreibt

14.07.2026

Es gibt Momente im Leben, die erst viele Jahre später ihren wahren Sinn offenbaren. Damals erleben wir sie einfach nur als schwierig, verwirrend oder schmerzhaft. 
Wir versuchen zu verstehen, suchen nach Erklärungen und fragen uns, warum unser Leben gerade diesen Weg nimmt. 
Erst mit etwas Abstand erkennen wir manchmal, dass all die einzelnen Puzzleteile längst zusammengehörten und das Leben schon lange begonnen hatte, seine Geschichte zu schreiben.

Als ich mich in den vergangenen Tagen mit dem sechsten Hermetischen Gesetz beschäftigt habe, musste ich immer wieder an eine Zeit zurückdenken, die inzwischen fast dreißig Jahre zurückliegt. Genau genommen, sind es 29 Jahre.
Es war nicht das Gesetz selbst, das zuerst vor meinem inneren Auge erschien. Es war eine junge Frau in der Hamburger U-Bahn. Sie saß dort auf dem Weg zur Arbeit und blickte immer wieder auf ihre offenen Schnürsenkel. 
Diese junge Frau war ich.

Es klingt heute nach einer Kleinigkeit. 
Doch ich weiß noch genau, wie sehr mich dieser Moment damals beschäftigte. 
Immer wieder dachte ich: "Du musst Deine Schuhe zubinden." 
Ich beugte mich nach vorne und schon im nächsten Augenblick wurde mir so schwindelig, dass ich den Kopf sofort wieder anhob. Es ging einfach nicht. 
Also fuhr ich mit offenen Schnürsenkeln weiter und hoffte, dass niemand darauf achtete. Heute lächle ich manchmal über diese Erinnerung. Damals war mir überhaupt nicht zum Lächeln zumute. Ich verstand meinen Körper nicht mehr.

Die offenen Schuhe waren jedoch nur ein kleiner Teil dessen, was mich damals begleitete. 
Schon seit längerer Zeit litt ich unter starken Kopfschmerzen. Sie kamen nicht gelegentlich, sondern gehörten inzwischen zu meinem Alltag. 
Ich nahm Schmerztabletten, doch sie halfen kaum. Trotzdem ging ich jeden Morgen zur Arbeit. Ich funktionierte, erledigte meine Aufgaben und versuchte, mir nichts anmerken zu lassen. 
Innerlich wartete ich einfach darauf, dass es irgendwann wieder besser werden würde.

Mein Arzt vermutete, die Beschwerden stünden mit der Trennung von meinem damaligen Mann in Verbindung. Auch mein Chef sprach mich darauf an. Er meinte, ich solle private Probleme nicht mit in den Dienst bringen. 
Ich weiß noch, wie sehr mich diese Worte damals getroffen haben. Nicht etwa, weil ich jemandem böse gewesen wäre. Aus heutiger Sicht verstehe ich sogar, warum beide zu dieser Einschätzung kamen. Sie suchten nach einer Erklärung für das, was sie sehen konnten und das tun wir Menschen so häufig. 

Wir sehen eine Wirkung und glauben, ihre Ursache bereits zu kennen.

Dabei ahnte niemand, was tatsächlich in meinem Kopf geschah. Ich selbst wusste es ebenso wenig.

Es gab noch eine zweite Situation, die sich tief in mein Herz eingeprägt hat. 
Immer wenn ich eine Straße überqueren wollte, musste ich nach rechts und links schauen. Eine Bewegung, die für jeden von uns selbstverständlich ist. 
Für mich wurde sie zu einer kleinen Mutprobe. Sobald ich den Kopf drehte, wurde mir schwindelig. Ich blieb stehen, wartete einen Moment, bis sich alles wieder beruhigte und ging erst dann weiter. 
Auch das nahm ich irgendwann einfach hin. Der Mensch gewöhnt sich an erstaunlich vieles. Er lernt, Umwege zu gehen, ohne zu merken, dass sie längst nicht mehr normal sind.

Erst einige Zeit später bekam ich die Diagnose. Ein Hirntumor. 
Zusätzlich befand sich in meinem Kopf eine große raumfordernde Zyste. 
In diesem Augenblick veränderte sich mein Blick auf die vergangenen Monate vollständig. Plötzlich ergab alles einen Sinn. Die Kopfschmerzen, der Schwindel und die offenen Schnürsenkel. 
Die Schwierigkeiten beim Umschauen. Nichts davon war zufällig gewesen. Es waren keine einzelnen Beschwerden. Es war eine einzige Geschichte, die mein Körper längst erzählte, während niemand – auch ich selbst nicht – ihre Sprache verstand.

Wenn ich heute an diese junge Frau zurückdenke, empfinde ich vor allem Mitgefühl. 
Ich möchte sie in den Arm nehmen und ihr sagen, dass sie ihrem Körper vertrauen darf. 
Das sie sich nichts einbildet! Das sie nicht schwach ist und auch nicht übertreibt. 
Ich würde ihr sagen, dass ihr Körper in Wirklichkeit unermüdlich versucht, sie zu schützen und ihr etwas mitzuteilen. Er kämpfte nicht gegen sie. Er kämpfte für sie.

Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf das Leben für immer verändert. Seit jener Zeit begegne ich keinem Symptom mehr mit vorschnellen Erklärungen. 
Immer wenn mir ein Mensch gegenübersitzt und von Erschöpfung, Schlafproblemen, Ängsten oder körperlichen Beschwerden erzählt, erinnere ich mich an die junge Frau in der Hamburger U-Bahn. Ich frage mich nicht als Erstes, wie wir die sichtbare Wirkung möglichst schnell verschwinden lassen können. Mich interessiert die Geschichte dahinter. Ich möchte wissen, wo dieser Weg begonnen hat. 
Denn meine eigene Erfahrung hat mich gelehrt, dass das Offensichtliche oft nur der letzte Satz einer Geschichte ist, die das Leben schon lange zuvor geschrieben hat.

Vielleicht berührt mich gerade deshalb das 6. Hermetische Gesetz so sehr. Es erinnert mich daran, dass jede Wirkung eine Ursache hat und jede Ursache ihre Wirkung entfaltet. Doch dieses Gesetz empfinde ich nicht als nüchterne Lebensweisheit. 
Für mich ist es eine Einladung, achtsamer zu werden. Es lädt mich ein, hinter die Fassade zu schauen und mich nicht mit dem zufrieden zu geben, was auf den ersten Blick sichtbar ist.

Immer wieder denke ich dabei auch an einen Gärtner. Wenn eine Pflanze ihre Blätter hängen lässt, wird er sie nicht verurteilen. Er wird auch nicht glauben, dass ein neuer Übertopf das eigentliche Problem löst. Er kniet sich auf den Boden, nimmt eine Handvoll Erde zwischen seine Finger und schaut dorthin, wo das Leben beginnt, zu den Wurzeln. 
Dort entscheidet sich, ob eine Pflanze wachsen, blühen und ihre Kraft entfalten kann. Die Blätter erzählen nur, was die Wurzeln schon lange erlebt haben.
Ist es bei uns Menschen nicht genauso?
Auch wir tragen Wurzeln in uns. Unsere Kindheit, unsere Erfahrungen, unsere Freuden, unsere Verluste, unsere Ängste und unsere Hoffnungen. Alles, was wir erlebt haben, hinterlässt Spuren. Manche schenken uns Kraft, andere kosten uns Energie, ohne dass wir es zunächst bemerken. Erst viel später zeigt unser Körper, unser Nervensystem oder unsere Seele, was sie über lange Zeit getragen haben. Dann glauben wir oft, das Symptom sei das Problem. Dabei erzählt es uns lediglich, dass tief im Verborgenen längst etwas entstanden ist.
Deshalb schaue ich in meiner Frequenzarbeit nicht nur auf das, was heute sichtbar geworden ist. Mich interessieren die Wurzeln, die Zusammenhänge und mich interessiert der Weg, den ein Mensch gegangen ist, bevor er den Mut gefunden hat, bei mir anzuklopfen.

Denn ich habe in meinem eigenen Leben erfahren, wie heilsam es sein kann, wenn plötzlich aus vielen einzelnen Puzzleteilen ein verständliches Bild wird. 
In diesem Moment entstehen oft keine Vorwürfe mehr. Es entsteht Mitgefühl mit dem eigenen Körper, mit der eigenen Geschichte und manchmal beginnt dort eine Veränderung, die viel tiefer reicht als jedes Symptom.
Wenn ich heute noch einmal in Gedanken in diese Hamburger U-Bahn steige, sehe ich die junge Frau mit ihren offenen Schnürsenkeln. Diesmal setze ich mich neben sie. Ich nehme ihre Hand und lächle sie an. Dann würde ich ihr leise sagen: "Hab Vertrauen. Auch wenn heute noch niemand erkennt, was wirklich hinter all dem steckt, Dein Körper kennt die Wahrheit längst. Er wird nicht aufhören, mit Dir zu sprechen und eines Tages wirst Du genau aus dieser Geschichte anderen Menschen Hoffnung schenken."

Vielleicht ist das die größte Weisheit des sechsten Hermetischen Gesetzes. Nicht schneller Antworten zu finden, sondern geduldiger zu fragen. 

Nicht nur die Blätter zu betrachten, sondern den Mut zu haben, die Hände in die Erde zu legen und die Wurzeln zu entdecken, denn dort, tief unter der Oberfläche, beginnt nicht nur jedes Wachstum. Dort beginnt auch das Verstehen und manchmal beginnt dort ein neuer Weg zurück zu uns selbst.
💖✨

"Nicht jedes Symptom ist der Anfang einer Geschichte. 
Oft ist es der Moment, in dem unser Körper uns endlich bittet, genauer hinzuschauen."

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