Meine Wake-up Calls und der Mut, mir treu zu bleiben

21.02.2026

Manchmal kommt ein Weckruf laut und manchmal schleicht er sich leise in unser Leben.
Und manchmal steht man plötzlich an einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, nur noch Wahrhaftigkeit.

Mein erster bewusster Wake-up Call kam mit 19.
Ich liebte meine Ausbildung zur Krankenschwester.

Ich liebte es, für Menschen da zu sein.

Sie zu begleiten, zu versorgen und ihnen zu helfen.
Und doch erlebte ich in dieser Zeit immer wieder etwas, das mich innerlich zerriss.
Personalmangel. Überforderung. Entscheidungen, die nicht dem Patienten dienten, sondern dem System. 

Dinge, die vermeidbar gewesen wären.

In einer Nachtschicht starb eine junge Patientin und tief in mir wusste ich, das hätte nicht passieren müssen und dürfen.
Dieser Moment hat etwas in mir unwiderruflich verschoben.
Es fehlte weniger als ein halbes Jahr bis zum Abschluss meiner Ausbildung.

Mein Umfeld verstand meine Entscheidung nicht. 

Für viele war es Schwäche, Unvernunft und Aufgeben.
Doch für mich war es das Gegenteil!

Es war das erste Mal, dass ich kompromisslos zu meinen Werten stand.

Das ich mir selbst erlaubte zu sagen:
 "
Diese Geschehnisse, kann ich nicht mit mir und meinem Gewissen vereinbaren."
Ich habe die Ausbildung abgebrochen.

Nicht aus Trotz, sondern aus Klarheit.
...ich habe mir die Kündigung zu meinem 19. Geburstag geschenkt...  ;-) 💖

Damals war es hart.

Heute weiß ich, es war ein Akt von Selbstachtung.

Viele Jahre später folgte der nächste große Weckruf.
Eine Ehe, die nach außen vielleicht funktionierte, aber innerlich von Lügen und Betrügen geprägt war.

Ein schleichendes Gift, das meine Lebenskraft untergrub.

Wieder stand ich an einem Scheideweg:
Bleiben aus Angst, aus Gewohnheit, aus gesellschaftlicher Erwartung?

Oder gehen und mir selbst treu bleiben?

Ich bin gegangen.

Und ich bin bis heute überzeugt, hätte ich diese Entscheidung nicht getroffen, hätte ich die folgende Operation nicht überlebt.
Denn kurz nach der Trennung, kam die Diagnose Hirntumor.
Auch er war ein Wake-up Call.

Kein romantischer, kein sanfter, aber ein zutiefst ehrlicher.
Er zwang mich, mein Leben neu zu betrachten.

Meine Prioritäten in meinem Leben, meine Beziehungen und meine innere Ausrichtung.
Er führte mich zu alternativen Heilwegen, zur Energiearbeit und zu einem tieferen Verständnis von Körper, Seele und Bewusstsein.


Und rückblickend erkenne ich, die lauten Wake-up Calls kommen oft dann, wenn wir die leisen lange überhört haben.

Wie erkennen wir die frühen, leisen Weckrufe?
Sie sind selten dramatisch.
Sie zeigen sich als:
- ein dauerhaftes Unwohlsein
- Müdigkeit, die nicht erklärbar ist
- das Gefühl, nicht mehr ganz in sich zu wohnen
- kleine innere Widerstände, die man ständig übergeht
- oder eine Stimme, die flüstert: "So fühlt es sich nicht richtig an."

Wir sind Meister darin, diese Signale zu übergehen und zu rationalisieren.
"Stell Dich nicht so an."
"Andere schaffen das doch auch."

"Reiß Dich zusammen."

"Das ist eben so."

Doch unser Körper vergisst nichts und unsere Seele wartet nicht ewig.

Ein Wake-up Call ist kein Versagen.

Er ist oft die letzte liebevolle Erinnerung, dass wir ausgerichtet leben dürfen.

Heute weiß ich, Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben.

Mut bedeutet, der eigenen inneren Stimme mehr zu vertrauen als den äußeren Erwartungen.
Und manchmal beginnt ein neues Leben genau in dem Moment, in dem wir aufhören, gegen uns selbst zu leben.

Und etwas Entscheidendes habe ich durch all diese Wendepunkte ebenfalls gelernt.
Einen Wake-up Call kann ich nur hören, wenn ich in meiner Kraft bin.

Nicht in der perfekten Stärke, doch ohne Angst, mit Urvertrauen und einer inneren Gewissheit.
Fest verwurzelt in der Erde.

Zentriert in meiner Mitte.

Angebunden an etwas Größeres, das mich führt und trägt.

In diesen Momenten war ich nicht laut, nicht kämpferisch, aber innerlich klar.

Ich wusste, ich darf für mich entscheiden.

Ich darf meiner Entscheidung mehr vertrauen als dem Urteil anderer.

Ich darf meinen Weg gehen, auch wenn er unbequem ist.

Ich durfte erfahren, wie es sich anfühlt, in seiner Kraft zu stehen.

Nicht gegen andere, sondern für mich selbst.

Und genau deshalb berührt es mich heute so sehr, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten.

Ihr eigenes Kraftpotenzial wiederzufinden.

Sich zu erinnern, wer sie sind, jenseits von Angst, Erwartung und Manipulation.

Denn wenn wir in unserer Mitte ruhen, müssen die Weckrufe des Lebens nicht zerstörerisch sein.

Dann werden sie zu wertvollen Wegweisern.

Und manchmal reicht schon ein leises Flüstern, wenn wir ihm zu hören.
Aus all diesen Erfahrungen ist mein heutiges Wirken gewachsen.
Ich begleite Menschen dabei, ihre leisen inneren Signale wieder wahrzunehmen, damit das Leben nicht erst laut und schmerzhaft werden muss, um gehört zu werden. ✨

"Wake-up Calls sind keine Strafen des Lebens.

Sie sind Erinnerungen Deiner Seele,
 wer Du wirklich bist."